Eine Ode ans Umarmen,

eigentlich bin ich leidenschaftliche Händeschüttlerin. Es ist meine liebste Begrüßungsform. Auch wenn es ein wenig förmlich wirkt, geht für mich nichts über ein herzliches Händeschütteln. Im Moment macht das Händeschütteln Pause. Aber vielmehr als Händeschütteln, vermisse ich das Umarmen. Zur Begrüßung, zum Abschied. Ganz alltäglich, aber auch oft genug besonders: als Glückwunsch, als wortloses Mitgefühl, als „Du schaffst das“, als Versöhnung. Das ist ja das wunderbare an Umarmungen: Eine Geste mit so viel Bedeutungen. Es gibt die kurzen, fast nachlässigen; die lauten, die Auf-den-Rücken-Klopfer, die herzlichen, die Rückenstreichlerinnen, die ganz Festhalter. Gerade dann, wenn man nicht so richtig weiter weiß tut eine Umarmung Wunder. Und da liegt die Schwierigkeit, wir wissen im Moment nicht richtig wie es weitergeht und können uns trotzdem nicht einfach in den Arm nehmen. Die Bibel weiß im Buch Prediger 3, Vers 1;5: Alles, was auf der Erde geschieht, hat seine von Gott bestimmte Zeit: sich umarmen und sich aus der Umarmung lösen. Alles hat seine Zeit und auch wenn wir noch nicht wissen, wann wir wieder wild Umarmen, kommt die Zeit wieder. Um bis dahin nicht völlig aus der Übung zu geraten, kann man solange Bäume umarmen. Waldbaden nennen die Japaner das. Es soll Stress abbauen, den Blutdruck senken, Depressionen mildern und das Immunsystem stärken. Ob den Apfelbaum im heimischen Garten oder die Waldtanne bleibt jedem selbst überlassen. Nur nicht aus der Übung kommen, bis es weitergeht.