Typen, die die Welt veränderten...

Im Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation" haben wir uns in den Januar-Gottesdiensten drei markanten Typen der Reformation angenähert: Prädikant Markus Delay begann mit einem Blick auf Philipp Melanchthon, dem "Käpsele aus Bretten", einem genialen Universalgelehrten und Mitstreiter Luthers sowie einem Mann der Ökumene... Danach hat Pfr. André Kendel zu Johannes Calvin gepredigt und die Folgen der stärker reformiert-calvinistischen Theologe u.a. im Blick auf den "Geist des Kapitalismus" bedacht. Am dritten Sonntag (29.01.) ging es um Martin Luther, von dem viele reden und über den nun schon einiges an Würdigung und Kritik zu lesen war. Die Resonanzen und Fragen im Anschluss an die Predigten und beim Kirchkaffee haben gezeigt, dass das Thema "dran" ist: Als Kirche der Reformation muss sich Kirche beständig fragen, was sie tun und was sie lassen will - ecclesia semper reformanda, Kirche muss sich beständig reformieren... Hier gibt es die Predigten zum Nachlesen und Hören

Hier zwei "Gastbeiträge" dazu aus unserer Nachbargemeinde Leopoldshafen, die uns dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt wurden:

Über das „Käpsele“ aus Bretten …

… sprach Prädikant Dr. Markus Delay am Sonntag, 22. Januar 2017 im Rahmen der Predigtreihe „Typen, die die Welt veränderten“. „Mein kleiner Grieche“ nannte Martin Luther seinen Mitstreiter und Weggefährten. Dieser war klein, gerademal 1,50 m groß, schmal, geradezu asketisch. Und er war jung, als er mit 17 Jahren in Tübingen seine Magisterprüfung ablegte. Er verfügte über eine große Sprachbegabung: beherrschte Latein, Griechisch, Hebräisch. Die Rede ist von Philipp Melanchthon, der als Philipp Schwartzerdt 1495 in Bretten geboren wurde. Mit 21 Jahren übernahm er eine Professur in Wittenberg, an der Universität, an der auch Martin Luther lehrte. Ihre Freundschaft und Bereitschaft für die Erneuerung der Kirche wurde bestimmend für die Reformation. Ein besonderes Anliegen war Melanchthon die Übersetzung der Bibel ins Deutsche. „Zurück zu den Quellen“ war sein Leitgedanke. Im Kreise der Reformatoren war er der Brückenbauer. Mit Vehemenz versuche er eine Einigung über die trennenden Fragen beim Abendmahl zu erreichen. Er selbst hielt an der wirklichen Gegenwart Christi im Abendmahl fest. Das brachte ihm auch den Verdacht ein, die Anliegen der Reformation zu verraten. Die Darlegungen in der Predigt machten mir Lust, mich noch intensiver mit den unterschiedlichen Positionen der Reformatoren zu beschäftigen. Dazu werden sicher die nächsten beiden Sonntage beitragen, wenn die anderen beiden „Typen“ vorgestellt werden.

Dagmar Dengler

„Tinte, Thesen, Temperament“…  

… so überschrieb Pfarrer Christoph Lang die Predigt zur Person Martin Luthers, dem bekanntesten Übersetzer der Bibel in deutscher Sprache, diesem „literarischen Big Bang“, wie er es nannte. „Ins Gespräch kommen und Resonanzen hören“, das war ein Anliegen mit dieser Predigt – vielleicht eine Parallele zu den 95 Thesen Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg, die dieser damals, im Jahr 1517, laut einer Vorbemerkung dazu als „Disputations-Grundlage“ verstanden wissen wollte. Mit gesungenen Strophen von Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“ gab es bereits Ansätze für einen Dialog – die Texte eingängig, aber auch widerständig und schwierig zu verstehen (ein Wink vielleicht auch auf Luthers Schattenseiten?). Ein ganzes Körbchen voller Fragen und Gedanken gab es aus der Gemeinde als Resonanz zur Predigt. Diese reicherte Pfarrer Lang durch eigene Überlegungen an und gab sie allen Besuchern mit auf den Weg. Was bleibt vom Erbe Luthers neben reichhaltigen Wortschöpfungen (Machtwort, Perlen vor die Säue werfen und vielen mehr)? Was wären die heutigen Thesen? Ecclesia semper reformanda – die sich stetig erneuernde Kirche: ein Wunschtraum oder Realität?

Dr. Heinz Riesch-Oppermann