"Über mich hinaus"

das Thema ausgehend vom Lobgesang der Maria in Lukas 1 hatten die Frauen der Evangelischen Landeskirche in Baden in diesem Jahr für den Gottesdienst zum Frauensonntag am 18.9.2016 ausgewählt. Vor 100 Jahren 1916 wird der Frauensonntag in einem Sitzungsprotokoll der Frauenarbeit erwähnt. Freifrau Marie von Marschall bittet den Oberkirchenrat - einen Sonntag als Frauensonntag zu bestimmen,- was dann auch geschah. Seit den 70iger Jahren ist der 3. Sonntag im September Frauensonntag. Im selben Jahr am 12. Juli 1916 wurde auch der "Verband der Evangelischen Frauenvereinigungen der Inneren Mission " in Karlsruhe gegründet. Diese beiden Jubiläen werden 2016 gefeiert. Was hat das mit Eggenstein zu tun? Hier gab es einen Frauenverein schon viel früher. In den Kirchenbüchern werden die Jahreszahlen 1874 und 1876 genannt. Diese Jubiläen haben Frauen aus den Kreisen der Gemeinde angeregt mit Frau Ellinger, der Gemeindediakonin am Frauensonntag einen Gottesdienst zu gestalten.

"Über mich hinaus"

war auch der Leitfaden des Lobgesangs der Maria aus Lukas 1,der sich durch Texte , Predigt und Gebete in dem Gottesdienst zog . Musikalisch umrahmt wurde er durch Orgel und Trompete und Duett und Orgel. Der Einladung zum Kirchenkaffee in den Gemeindesaal folgten viele BesucherInnen. Auf Stellwänden konnten sie anhand von Bildern , Texten und einer Zeittafel die Geschichte der Frauenarbeit in Eggenstein kennenlernen.

Hier ein kurzer Abriss der Geschichte: Der 1874 gegründete Frauenverein schloss sich 1876 dem Landesverein an. Ziel war es Bedürftige " mit Geld oder Suppe " zu unterstützen. Die Leitung lag bei Pfarrer Rudolf Kern. Von 45 Mitgliedern im Jahr 1876 wuchs die Zahl auf 80 Mitglieder im Jahr 1891. Als der Verein 1894 eine Diakonisse als Krankenpflegerin einstellte, stieg die Zahl auf 200 Mitglieder. Der Krankenpflegeverein als Zweigverein des Roten Kreuzes war geboren. Die Pfarrfrauen Kern und Obländer bildeten mit Frauen aus der Gemeinde den Vorstand, Beisitzer waren die Pfarrer. Jedes Mitglied zahlte monatlich 20 Pfennige als Beitrag. Auch die Bildung der Mädchen wurde durch Koch- und Handarbeitskurse gefördert.(bis 1915) Zitat:" Der Kochkurs dauert 7 Wochen und schließt mit einer Prüfung und einem Festkaffee ab. Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin hat schon mehreremale derselben angewohnt zu unserer großen Freude." Im Visitationsbericht der Kirchengemeinde vom 29.9.1906 wird der Verein " als eine große Wohltat für die Gemeinde" erwähnt. Ein "Jungfrauenverein" 1897 von Pfarrer Obländer gegründet trug den Namen "Freundinnen junger Mädchen". Er wurde von der Tochter des Pfarrers geleitet und sollte die Mädchen und jungen Frauen, die unter schlechten Bedingungen in den Ziegeleien in Eggenstein und der Patronenfabrik in Karlsruhe arbeiteten, unterstützen. Ab 1917 trafen sich auch Frauen im Pfarrhaus. Im 3. Reich wurden der Krankenpflegeverein und die Frauenvereine zwangsweise an die Verbände des Dritten Reiches angeschlossen. Nach dem Krieg 1945-46 kam es zur Gründung eines Mädchenkreise durch Erna Hötzel. Seit 1947 gab es in Eggenstein Frauenkreise, die von den Frauen der Pfarrer Pfisterer, Schneider, Wicke und Spelsberg geleitet wurden. Heute treffen sich Frauen in der Dienstagsrunde, beim Frauenfrühstück, im Frauenkreis am Donnerstag, in der Kirchengemeinde. Ohne die ehrenamtliche Arbeit vieler Frauen bei Gemeindefesten, Geburtstagskaffee und anderen Treffen und im Kirchengemeinderat ist die Gemeindearbeit nicht denkbar.

Hanna Mudrack